"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Tuesday, 26 May 2009

for Mens

Bei der Recherche zum Thema Brustbehaarung: Warum sich die deutschen Männer die Brust rasieren bin ich auf folgendes Denglisch-Prachtstück gestoßen: Kosmetik for Mens.

Ihr glaubt mir's nicht? Einfach mal bei der Website des fraglichen Kosmetik-Studios nachgucken - unten Links auf den Kacheln.

Mehr von mir zum Thema befindet sich übrigens auf dem Video-Blog.

Friday, 22 May 2009

"Ich besitze ein sehr, sehr großes Haus."

Online-Medien wie Guardian.co.uk sowie Telefonaten und E-Mails mit Freunden und Familie zufolge steckt mein Geburtsland in einer tiefen politischen Krise. Auch in den deutschen Medien sind die horrenden Spesenrechnungen der britischen Abgeordneten Thema: Denn der Ausmaß des Skandals im ruhmreichen, weltweit ältesten Parlament ist gewaltig.

Also brauche ich hier nicht sehr viel zu berichten: Der Kern der Sache sind die Zweitwohnungen, für die die Abgeordneten im britischen Unterhaus dubiose Spesenrechnungen eingereicht haben. Das System Zweitwohnung wurde aufgestellt, damit diejenigen "honorable members of Parlament", denen es nicht zumutbar waren, dass sie nach London immer pendeln, in der Hauptstadt hausen konnten.

Nun haben einige für sich den geilen Trick entdeckt, die Wohnungen zu "flippen" - sprich: Die Zweitwohnung in London zur Hauptwohnung zu machen und die Häuser in ihren Wahlkreisen dann als Zweitwohnung zu bezeichnen. Was den Vorteil hat, dass man schön sein Eigenheim sanieren, neu dekorieren oder einfach feinschleifen lassen darf auf Kosten des Steuerzahlers.

Und hier wird es im Detail recht lustig. Die Briten sind bekanntermaßen ein Volk, dass gerne in Immobilien investiert und dem 'das Haus ein Schloss' ist. An Englishman's home is his castle, eben. Nanu, es gibt ja Abgeordneten bei den Conservatives, für die der Spruch noch treffender ist als für den Normalbürger. Bei Douglas Hogg in der Grafschaft Lincolnshire beispielsweise trifft es 100%-ig zu: Der hat nämlich eine Spesenrechnung eingereicht über gut £2.000 für das Schlämmen vom Burggraben auf seinem Landbesitz mit Herrenhaus.

Noch so ein adliger Heimwerker, der es nicht lassen kann, ist der verehrenswerte Sir Peter Viggers: Nach schon stolzen £32.000 in drei Jahren für Gartenarbeit hat er einen drauf gesetzt - und damit den Gipfel des Wahnsinns erreicht. Für £1.645 hat er sich nämlich ein Entenhäuschen für seinen Teich maßfertigen lassen, damit die geflügelten Freunde sich vor Füchsen in modischer Umgebung schützen können. Schick, das Teil. So eins würde ich mir wünschen. Aber einen Teich brauchte ich erstmal.

Tja, ich bin ja wohl nur "neidisch". Das würde der ehrwürdige Sir Antony Steen behaupten: Denn er ließ gestern im Radio folgenden Spruch von sich los.

"Also, ich habe nichts Rechtswidriges getan - das ist das Schlimmste hier an dieser ganzen Spesenangelegenheit. Und wissen Sie, worum es sich eigentlich handelt dabei? Um Neid. Ich besitze nämlich ein sehr, sehr großes Haus. Einige ziehen schon den Vergleich zu Balmoral" (Anm.: Balmoral ist das Ferienschloss der Königen).

*Staun*

Als schlecht erzogener, neidischer Prolet, der asozialerweise dem britischen Adel ihre berechtigte Ehrfurcht nicht zollt, kann ich nur sagen: M e i n e F r e s s e !

Was ist das jetzt für ein krankes, immer noch im Mittelalter steckendes Land, das sich die Leibeigenschaft wieder herbeiwünscht?

Selbst der zu Guttenberg würde sich zu so einer Aussage nie trauen. Ach, Deutschland! Langweiliges, mit austauschbarem Präsident und Managerklasse statt mit famoser Königin und Adel ausgestattetes Deutschland!

Thursday, 21 May 2009

Über Feiertage

In Deutschland hat man deutlich mehr Feiertage als in England. In Bayern sind es etwa 13. Selbst im frommen Norden - in Hamburg hat man z. B. keinen Allerheiligen - kommt man auf 9. Auf der Insel gibt es hingegen gerade 8 gesetzliche Feiertage.

Und frecherweise werden die Engländer nochmal ausgetrickst, insofern als die Feiertage in Mai und August immer auf einen Montag festgelegt werden. Nix Brückungstag also, Und keiner merkt's! Keiner regt sich auf! So nach dem Motto: Was soll's?! Man muss ja malochen. Thatcher und Konkurrenzgesellschaft, halt.

Ne, das mit Feiertagen ist in Deutschland schon eine super Sache. Wir in den westlichen Ländern brauchen ja nicht länger zu arbeiten - gesteigerte Produktivität soll mal in Zeit, und nicht immer in Geld umgemünzt werden. Die Kollegen in München machen's vorbildlich.

Gerade jetzt in Mai versteht man den Begriff "Wonnemonat" so richtig: Alle haben pünktlich zum Sommer Auftakt viel Zeit und sind gut darauf. Erster Mai ein Donnerstag auf Freitag, Christihimmelfahrt sogar geilerweise von einem Mittwoch auf Donnerstag. Welcher Büro-Chef bittet dann seine Mitarbeiter am Freitag zum Schreibtische?

Doch eins ist in Deutschland genauso beschissen wie in England an den Feiertagen: Der Regen!

Tuesday, 19 May 2009

I love German beer

So manch einen deutschen Witz finde ich immer wieder erzählenswert:

Sitzen ein Dortmunder, ein Kölner und ein Düsseldorfer in der Kneipe. Der Dortmunder bestellt ein DAB, der Kölner ein Kölsch und der Düsseldorfer eine Cola. Fragen die beiden den Düsseldorfer: „Wieso trinkst du denn Cola?“ Antwortet der: „Wenn Ihr kein Bier trinkt, trinke ich auch keins!“

Im Artikel geht es nämlich um einem Laden, der in Düsseldorf aufgemacht hat, und nur Kölsch serviert. Jetzt will der Inhaber eine weitere Alt-Metropole erobern: Münster. Warum der Engländer das lustig findet? Weil die Brausen, die bei uns unter dem Namen "Bier" verkauft werden, alle eh in Holland oder Dänemark gebraut werden. Das sich hierzulande Städte darauf anzicken, finde ich immer wieder witzig.

Ein nicht uninteressantes Vermerkchen, wenn es um auf Bier bezogene Stadt-Rivalitäten in Deutschland geht: Diesen Witz habe ich schon vor Jahren gehört - allerdings war es der Kölner, der die Cola getrunken hat.

Und sicherlich gibt es im süddeutschen Raum so eines ähnliches bon mot in der Konstellation München, Nürnberg und Augsburg.

Bierland Deutschland. Und wenn der Engländer sagt, "der deutsche Humor" sei ein Widerspruch in sich, ist es wohl einfach so, das Witze über Herkunft und Bier sich gar nicht übersetzen lassen.

Thursday, 14 May 2009

Ich hab's euch doch gesagt!

Die Deutschen sind schizophren!

Ja, ich hab's gesagt. Ich habe ein ganzes Land als psychisch kranke abgetan. Ein Land, das ich mir übrigens als dauerhaften Wohnort ausgesucht habe.

Warum denn?

Also, Sätze wie: "Sorry, aber ich kann nur Wasser aus der Leitung anbieten?"

Oder: "Wie, du trinkst nur Leitungswasser? Hast du keins aus der Flasche für mich?"

Oder: "Leitungswasser? Nur Leitungswasser? Das gibt's doch nicht! Das hier ist schließlich ein Restaurant! Wir sind durchaus berechtigt, Sie dazu zu zwingen, einen zahlungspflichtigen Getränk zu sich zu nehmen".

Zugegebenermaßen habe ich letzten Satz noch nie gehört - nur ihn immer wieder der Bedienung an den Gesichtern abzulesen geglaubt.

Aber es ist doch klar, worauf ich hinaus will: Die Deutsche liebe zum Flaschenwasser. Die ist unsinnig. Die ist unbegründet. Und: Die ist höchst umweltschädlich!

Jahrelang habe ich Deutschland beobachtet, oft bewundert. Vor allem mochte ich immer als Umweltfreund die Dichte der öffentlichen Verkehrsmittel, die Ordnung der Städten, die ausgeklügelten Wiederverwertungsabläufe - Mülltrennung, Recyclinghöfe, Pfand.

Doch gerade bei Pfand stoßen wir auf diese Schizophrenie. Denn in Deutschland wird laut Spiegel-Online öfter zum Flaschenwasser gegriffen als in jedem anderen Land. Ich habe schon lange vermutet, dass die Deutschen im internationalen Vergleich wohl auffällig viel Trinkwasser aus der Flasche verzehren. Ich habe schon immer aus Prinzip um Leitungswasser gebeten -bei Freunden, in Restaurants. Aber nie habe ich vermutet, dass der deutsche Hang zu abgefülltem Wasser so ausgeprägt - und dermaßen umweltschädlich - ist. Genauer gesagt: tausendmal - ja, t a u s e n dmal - soviel Erdöl sei nötig, um einen Liter Flaschenwasser zum Endverbraucher zu bringen, um als denselben Liter als Leitungswasser zu befördern.

Warum die Deutschen so gerne abgefülltes Wasser trinken? Angeberei? So nach dem Motto: Ich kann mir's leisten. Nur asoziale Menschen trinken noch aus der Leitung. Menschen, die keinen Pfennig von ihrem Hartz-IV-Regelsatz übrig haben für Flaschenwasser, weil sie das ganze für Bier, Zigaretten und gesundheitsschädliche Nahrungsmittel bei Penny ausgegeben haben.

Anpassungswille? Typ: Ich sitze hier im Restaurant, will eigentlich nur eine geschmacksneutrale Begleitung zum Essen, aber will nicht als Geizhals auffallen. Will auch nicht, dass die Tischgesellen mich für einen Asozialen halten, der wohl sein letzten Pfennig für Bier bei Penny ausgegeben hat und nun auf Leitungswasser angewiesen ist.

Gesundheitsangst? Denn die gewaltige Nahrungsmittelindustrie hat wohl in letzter Zeit ziemlich viele Gerüchte verbreitet, Leitungswasser sei gesundheitsschädlich. Viele Freunde, die ich über ihr umweltilich tollkühnes Trinkhalten ausfrage, vertreten nämlich diese Meinung. Dabei gehört Wasser aus der Leitung zu den strengst kontrollierten Lebensmitteln, die es überhaupt gibt.

Und wir wohnen ja schließlich in Deutschland. Nicht irgendwo auf dem Dorf in Indien, wohin wir als Schulkinder immer Geld schicken mussten, damit sie ordentliche Wasserquellen anbohren konnten und nicht mehr an Fleckfieber sterben mussten.

Zum Glück greifen die Inder übrigens noch nicht in großem Stil zur Flasche. Denn bei über eine Milliarde, hätten wir dann ein riesiges Problem.

Und zum Glück schrumpft die deutsche Bevölkerung. Und es bleibt auch zu hoffen, dass in einer Finzanzkrise die Verbraucher noch genauer auf den Cent schauen und Flaschenwasser stehen lassen.

Und weniger Autofahren. Ach ja, die Deutschen und ihre Wagen. Noch so ein schizophrenisches deutsches Verhalten im Bezug auf die Umwelt...

Thursday, 7 May 2009

Lost im Bürgeramt

Im April noch erhielt ich ein Schreiben vom Landeswahlleiter der Freien und Hansestadt Hamburg. Ich möchte mich bitte ins Wählerverzeichnis eintragen lassen für die Europawahl am 7. Juni 2009.

Erster Gedanke: Europawahl?! Bin ich so schlecht informiert oder hat sich das nicht ganz schön an mich rangeschlichen?

Zweiter Gedanke: Super! Auch ich bin Deutschland und darf hier folgerichtig wählen.

Dritter Gedanke: So. Wie mache ich das dann?

"Stellen Sie bei Ihrem Bezirksamt bis spätestens 17. Mai 2009 einen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis."

Alles klar. Mache ich.

Aber wie?

Wird nicht so genau im Schreiben erläutert. Was mache ich dann? Hmm. Naja, es geht zwar um Demokratie, aber ich laufe sofort zum gefährlichen Riesenkonzern Google und bin binnen Sekunden auf dem Antragsformular unter www.bundeswahlleiter.de.

"Nix einfacher", sage ich mir, "elektronische Demokratie halt". Ich folge die Anweisungen, das Formular auszudrücken und auszufüllen. Sekundensache.

Das Formular liegt nun vor mir, noch warm vom Drucker mit vor sich hin schmelzender Tinte darauf. Aber wo schicke ich das hin.

Auf der Webseite nichts. Auf dem Formular beim ersten Blick ebenfalls nichts. Nur im kleingedruckten oben steht "Bitte gesamten Vordruck an Gemeindebehörde senden".

Sehr schön. Kann ich machen. Aber wo, bitte schön, ist die Gemeindebehörde? Und wie lautet die genaue Adresse bzw. der Adressat? Angemeldet habe ich mich im Bürgeramt Eimsbüttel. Das vorliegende Schreiben stammt aber vom Landeswahlleiter am Johanniswall.

Hm.

Auf demselben Schreiben ist allerdings eine Telefonnummer. Da rufe ich kurz an: müsste dann relativ schnell zu klären sein. Vielleicht werde ich mich da sogar blamieren - die Adresse ist wohl auf irgendwelcher Rückseite oder in irgendwelcher Ecke, wo ich nicht geguckt habe.

"Ach so, ja, da müssen Sie sich dann in der Tat mit dem Bezirksamt Eimsbüttel in Verbindung setzen. Versuchen Sie mal unter folgender Nummer".

Sekundensache. Ich ruf nochmal an. Und lande sofort im Büro vom Wahlleiter in Eimsbüttel.

"Ja, da müssen Sie dann leider hier persönlich erscheinen."

Kann ich machen. Wann hätte das Bürgeramt denn geöffnet nochmal?"

"Hm. Das weiß ich nicht so genau. Wartensemal... Also heute von 12:00 bis 18:00, morgen gar nicht... (Sach mal, wann hamwa geöffnet nomma?) Montag 08:00 bis 15:00, Dienstag 07:00-14:00 und Mittwoch 08:00-14:00."

Ach so. Alles klar. Ganz schön... äh... übersichtlich, diese Öffenungszeiten.

"Hörense noch? Mein Chef hat grad gesagt, Sie brauchen gar nicht herkommen. Sie können sich onlein eintragen lassen auf www.bundeswahlleiter.de."

"Aber ich war schon da, um mir die Formulare herunterzuladen und dort steht geschrieben, ich müsse sie ausdrücken und ausfüllen."

"Nein, das könnense schon onlein machen."

Na, das wäre ja neu. Ich habe das wohl doch übersehen. Ich bedanke mich bei der Ansprechpartnerin und geh nochmal auf www.bundeswahlleiter.de gucken.

Zehn Minuten später sitze ich mal wieder vor dem ausgedruckten Formular.

Kacke.