"Lost in Deutschland" vorher

Dieses Blog begann auf Deutsch - im Archiv befinden sich eine ganze Reihe von Texten über das Engländersein in Deutschland - von 2008 bis 2011 sortiert. 2008-2009 wurden zudem Video-Berichterstattungen auf Deutsch zum Thema hier veröffentlicht.

Monday, 28 December 2009

Bei Rot überquert und im Knast gelandet

Wusste ich es doch! In Deutschland kann das mit Bei-Rot-Gehen schlimme folgen haben. In NRW ging einer Sonntagabend bei Rot über die Straße und kam ins Gefängnis.

Wobei ich habe da weniger zu befürchten: Ich bin nunmal weder vorbestraft noch habe ich eine ausstehende Strafe.

Aber immerhin: Das Mythos stimmt. Man sollte immer aufs grüne Männchen warten in Deutschland.

Hier geht es zu meinem Video zum Thema...

Monday, 14 December 2009

BSE-Blut

Anfang letzter Woche hatte ich gebloggt von wegen, ich würde gerne Blut spenden. Das habe ich nicht (nur) deswegen geschrieben, weil ich euch alle erzählen wollte, wie toll und sozial-verantwortlich ich bin. Sondern auch weil, als ich mich über die Webseite vom Spendedienst Hamburg las, ich ganz lustig fand, das der Spendedienst es für nötig hielt, sich dafür zu entschuldigen, dass sie erst nach der dritten Spende dafür Geld zahlen konnten. Im UK werden nämlich nur Tee und Keks als Gegenleistung aufgebracht (es sei denn, ich wurde mehrmals übervorteilt).

Und wer diese Freikekse mal verköstigen will, der muss gucken, dass ein gesundes Körpergewicht hat, nicht schwanger ist, und nicht irgendwelche Immunkrankheiten mit sich herumschleppt. Und dass er nicht homosexuell ist. Das ist zur Zeit Skandal in meinem Geburtsland: dass ein homosexueller Mann, der auch nur einmal sexuell aktiv gewesen ist – auch mit Kondome – kein Blut spenden kann.

Als ich also beim Blutspendedienst hier anrief, um mein wertvolles Blut vor den ganzen Winterkrankheiten zur Verfügung zu stellen, hatte ich mich schon auf einige aufdringliche Fragen befasst gemacht. Aber bei 83 kg auf 1,82 m, guter sportlicher Form und eher heterosexuellen Neigungen dürfte das eigentlich kein Problem sein, dachte ich. Außerdem habe ich O-Blut, den Alleskönner sozusagen, und werde deswegen gerne gesehen. Und vom blöden Witz, der mir Anfang der Woche nach Verlinkung auf das Blog getwittert wurde, von wegen Engländer würden wegen BSE nicht genommen, ließ ich mich beirren.

„Schön, Sie wollen registrieren. Haben Sie schon mal Blut gespendet?“

„Ja, mehrmals. Ich bin aber erst seit einem Jahr in Hamburg gewesen und habe das hier noch nicht gemacht.“

„Ach so, kein Problem. Wann und wo haben Sie denn zuletzt gespendet?“

„Peinlicherweise ist das schon zwei Jahre her. Wollte ich schon längst wieder gemacht haben, aber… Also, dass wäre Dezember 2007 in London gewesen.“

„In London?“

„Ja. Ich bin gebürtiger Engländer.“

„Aah. Haben Sie mehr als sechs Monate in England gelebt im Zeitraum 1985 bis 1996?“

„Kann man so sagen, ja. Ich wurde nämlich 1985 dort geboren und bin dort aufgewachsen.“

„Ach nein! Dann können wir leider Ihre Spende nicht annehmen. Wissen Sie, da war damals diese BSE… Das ist eine blöde Regel, aber so ist es.“

Nee, ne?

Monday, 7 December 2009

Blut spenden

Als ich noch in Engalnd an der Uni war, ging ein Kommilitone von mir Blut spenden. Mit missionärem Eifer redete er dann auf mich ein, ich solle das auch tun. Es sei teil meiner Bürgerpflicht, ein Ausdruck der Solidarität, eine Art, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben und tralala und was weiß ich nicht alles.

"Darüber hinaus kriegste eine Tasse Tee und ein Keks umsonst." Ob das nicht ein Grund wäre?

Ich biss in meinen von ihm umsonst zur Verfügung gestellten Keks und überlegte mir das.

"Als Kaffee-Trinker haut mich das nicht vom Hocker. Und Kekse kriege ich immer irgendwo umsonst."

Dennoch habe ich das letztendlich gemacht. Hatte er doch recht wegen Solidarität und so.

Also würde ich gerne hier in Deutschland Blut spendieren und habe bei einem Dienst hier in der angerufen, um einen Termin auszumachen. Und da glaubte ich nicht richtig zu hören, als folgender Satz fiel:

"Wunderbar, Herr Melican. Aber Sie wissen, dass wir Ihnen leider erst ab der dritten Spende entgelten können."

Hört sich so an, als ob die mir mehr als Tee und ein Keks anbieten wollen...